EKM-Flash: September 2011

(2) Managementhaus: Dauerhaft attraktiv – der Jungbrunnen für die Unternehmung

Zukunft
Sein Unternehmen dauerhaft attraktiv und damit dauerhaft am Markt zu halten ist eine der strategischen Kernaufgaben des Top-Managements. Aber operativ wird es im Unternehmen bewältigt, das ist einfacher als es auf den ersten Blick vermuten lässt …
Der Physiker Stefan Hell hatte bereits vor seiner Promotion die Vision, die vom Physiker Ernst Abbe 1873 formulierte Regel zu widerlegen, wonach man Licht nur auf die Hälfte einer Wellenlänge bündeln kann. Das Ziel von Heller war es, mit einem Lichtmikroskop lebende Zellen mit einer ähnlichen Auflösung zu untersuchen, wie es die Elektronenmikroskope schon konnten. Der Nachteil der Elektronenmikroskope war, dass sie sich wegen der erforderlichen Probenvorbereitung nicht für lebende Zellen eigneten. Stefan Hell hat sich gegen alle Skeptiker durchgesetzt.
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Mit der Unterstützung von wenigen ebenfalls visionären Universitäten bzw. Forschungseinrichtungen ist es ihm schließlich gelungen, seine Erfindung eines STED-Mikroskops (stimulated Emission-Depletion bzw. stimulierte Emissions-Löschung) zur Marktreife zu bringen. Mittlerweile erreicht er mit der neuesten Generation schon Auflösungen von 20 Nanometer. Für seine bahnbrechende Forschung und Entwicklung wird er mit dem hoch angesehenen Körber-Preis für die europäischen Wissenschaften ausgezeichnet.
Der über Jahrzehnte vorhandene latente Bedarf einer großen Kundengruppe, die visionäre Kraft eines Einzelnen, das Glauben einiger weniger an die Fähigkeiten eines Einzelnen bzw. einer Gruppe, die Skepsis der Fachwelt an die Chance, die Schwierigkeiten zu überwinden und der tatsächliche Erfolg mit einer bahnbrechenden Idee, ist eine Blaupause für viele Tausend fast alltägliche Vorgänge in deutschen Unternehmen.

Ein Unternehmen muss sich auf Dauer erhalten

Die Systemtheorie hat nun auch in der Wirtschaft Einzug in die Unternehmungen gehalten. Danach muss sich jede Unternehmung als komplexes selbstreferenzielles System verstehen, deren Hauptaufgabe darin besteht, sich auf Dauer zu erhalten. Selbstverständlich gibt es auch Unternehmungen, die zu einem temporären Zweck gegründet - z. B. um ein großes Bauwerk zu errichten - und danach wieder liquidiert werden. Aber 99,9 % der Unternehmungen existieren, weil sie einer relevanten Kundengruppe einen wichtigen Nutzen stiften und deren Bedarfe erfüllen.
Systeme, die nicht selbstreferenziell angelegt sind, insbesondere geschlossene Systeme, können sich nicht erneuern und sterben - unabhängig von ihrer Zustimmung durch die in ihnen arbeitenden Menschen und die Ziele der Inhaber - auf Dauer ab. Ihre wesentliche Daseinsberechtigung erhalten die Unternehmungen aus ihrer Fähigkeit der Interaktion mit ihren Kunden, mit den Lieferanten und mit ihrer Umwelt. Aber erst die Möglichkeit des Leistungsaustauschs mit Kunden gibt der Unternehmung den eigentlichen Sinn, dabei ist die Interaktion der Unternehmung mit Lieferanten und der Umwelt, die Grundvoraussetzung für die Lebensfähigkeit des Systems Unternehmung.
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Die Aufgabe des Jungbrunnens in der Unternehmung besteht darin, Bedarfe und Wünsche der Kunden so rechtzeitig zu erkennen, dass ausreichend Zeit bleibt für das „System Unternehmung“, diese in neue Marktleistungen umzusetzen. So verändert sich die Unternehmung kontinuierlich mit seinen Kunden und regeneriert sich selbst.
Aber auch die Kunden der Unternehmung verändern sich kontinuierlich mit ihren Kunden. Das ist nicht neu oder gar revolutionär, dennoch sind die sich daraus ergebenden Konsequenzen nicht auf jeder Management Agenda.

Auch ein Jungbrunnen benötigt eine regelmäßige Wartung

Dem Top-Management kommt auch eine wesentliche operative Aufgabe zu, die regelmäßige Wartung des Jungbrunnens. Hierfür stellt es sich außerhalb der eigenen Unternehmung und überprüft und passt gegebenenfalls an: die Rahmenbedingungen für die eigene Unternehmung, die eigene Identität, den Zweck der Unternehmung und den notwendigen Anteil an Ressourcen für den Betrieb des Jungbrunnens. Die Aktualisierung der Rahmenbedingungen und die Bereitstellung der Ressourcen für die „Zukunft“ stellen die eigentlichen Wartungsarbeiten für die kontinuierliche Regeneration der Unternehmung dar, um in diesem Bild zu bleiben. Diese Aufgabe ist damit auch der Teil der Selbstreferenz, die im Top-Management geleistet werden soll.
In den weiteren Managementebenen ist dann der Betrieb des „Jungbrunnens“ zu ermöglichen. Das beinhaltet auch einen nicht unerheblichen Umfang an operativen Aufgaben, wie:
  • Organisierter und kontinuierlicher Kontakt zu den Kunden,
  • Wahrnehmung der latenten Bedürfnisse der Kunden und adäquate Kommunikation in die eigene Unternehmung
  • Bewertung der Relevanz von Kundengruppen und deren Bedürfnisse für die Zukunftsgestaltung der eigenen Unternehmung
  • Aufbereitung der Informationen für das Top-Management, einschl. Handlungsempfehlungen
  • Innovatives Klima
  • usw.
Viele dieser Aufgaben lassen sich institutionalisieren und im operativen Tagesgeschäft bewältigen. Aber das innovative Klima, der Glaube an die eigene „Zukunftsfähigkeit“, die kontinuierliche Bereitstellung adäquater Ressourcen für „Zukunft“ und die permanente Kommunikation mit den eigenen Kunden und der Umwelt der Unternehmung, stellen die erforderliche Energie für die Selbstregeneration dar. Nur so können die Skeptiker nicht die Oberhand gewinnen und nur so werden bahnbrechende Erfolge auch in Ihrer Unternehmung möglich.

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